Sozialistisches Klassenbewusstsein schaffen – Gegenmacht von unten Aufbauen!


Die Linksjugend [’solid] Schleswig-Holstein versteht sich als sozialistischer Jugendverband mit dem Ziel, die arbeitende Klasse zu organisieren. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, ist eine stärkere Verankerung in Betrieben, Gewerkschaften und insbesondere unter Auszubildenden notwendig. Mit diesem Antrag wird daher die Durchführung einer landesweiten Azubi-Kampagne für das Jahr 2026 beschlossen.

Klassenmacht aufbauen!

Als sozialistischer Jugendverband ist es unser Ziel, eine Gesellschaft jenseits von Ausbeutung und Entfremdung zu erkämpfen. Dafür reicht es jedoch nicht, sich allein auf Protestbewegungen auf der Straße oder moralische Appelle zu stützen.
Entscheidend ist die Organisierung jener Klasse, die im Zentrum der kapitalistischen Produktionsweise steht: die Arbeiter*innenklasse. Im Unterschied zu sozialen Bewegungen außerhalb der Betriebe verfügen Arbeiterinnen über den besonderen Hebel, den Fluss der Wertschöpfung durch Streiks zu unterbrechen. Indem sie ihre Arbeitskraft – die Quelle allen Profits – entziehen, sind sie in der Lage, den Klassenfeind direkt und spürbar unter Druck zu setzen und ihm Zugeständnisse abzuringen.

Bewegungen, die ihre Stärke auf die unmittelbaren materiell-ökonomischen Interessen ihrer Mitglieder gründen, sind zudem wesentlich stabiler und nachhaltiger als solche, die primär durch ein diffuses Gerechtigkeitsempfinden getragen werden. Während Bewegungen wie „Fridays for Future“ schon bei den ersten Rückschlägen an Dynamik verlieren, können Kämpfe um konkrete Verbesserungen in Ausbildung und Arbeitsalltag eine dauerhafte Basis für kollektive Organisierung schaffen. Die Verzahnung der Linksjugend [‘solid] mit diesen materiell-ökonomischen Kämpfen kann daher auch dazubeitragen, dass sich mehr junge Menschen länger und nachhaltiger im Jugendverband organisieren.

Gleichzeitig ist uns bewusst, dass gewerkschaftliche Organisierung allein nicht ausreicht. Die bestehenden DGB-Gewerkschaften sind in erster Linie den unmittelbaren ökonomischen Interessen ihrer Mitglieder verpflichtet. Daraus erwächst zwangsläufig eine „egoistische“ Verteidigung von betriebs-, branchen- und nationalspezifischen Interessen der Belegschaften auf Kosten der Arbeiter*innenklasse als Ganzes. Hinzu kommt, dass die nicht-sozialistische Grundorientierung der bestehenden Gewerkschaften sie in Richtung Co-Management mit den Vertreter*innen des Kapitals drängt – eine Politik der Befriedung und Integration, statt der Zuspitzung des Klassengegensatzes. Genau hier setzt die Rolle einer sozialistischen Partei und ihres Jugendverbandes an: Wir vertreten die Interessen der Arbeiterinnenklasse als Ganzes und wirken der Zersplitterung in betriebs-, branchen- und nationalbezogene Partikularinteressen entgegen. Unsere Aufgabe besteht darin, kontinuierlich daran zu arbeiten – wie Lenin es formulierte – das nur-gewerkschaftliche Bewusstsein der Arbeiterinnen in ein sozialistisches Klassenbewusstsein zu verwandeln.

Darüber hinaus ist der Aufbau einer linken Gegenmacht in den Betrieben eine notwendige Voraussetzung, um in anderen politischen Feldern handlungsfähig zu werden. Ein Beispiel verdeutlicht das: Der Genozid in Gaza erschüttert uns alle – weltweit gehen Menschen zu Recht massenhaft auf die Straße. Auch wir als Linksjugend [’solid] beteiligen uns an diesen Protesten. Doch das einzige Druckmittel der Demonstrierenden bleibt der öffentliche Druck und die damit verbundene Hoffnung, dass Regierungen aus Angst vor Wahlniederlagen oder internationaler Isolation nachgeben. Ganz anders wirken dagegen Aktionen wie die der gewerkschaftlich organisierten Hafenarbeiter*innen in Genua, die sich weigerten, Waffenlieferungen nach Israel zu verladen. Sie mussten nicht erst auf die Regierung einwirken, sondern blockierten die Kriegsmaschinerie direkt und unmittelbar. Wer langfristig antimilitaristische und antiimperialistische Kämpfe erfolgreich führen will, muss daher die Verankerung sozialistischer Kräfte in Betrieben und Gewerkschaften ins Zentrum linker Strategie stellen.

Aus diesen Gründen ist es für uns notwendig, eine Auszubildenden-Kampagne durchzuführen. Junge Beschäftigte stehen oft am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn und erleben die Härten der Ausbeutung besonders deutlich. Diese können deshalb offen für linke Perspektiven sein. Indem wir sie gezielt ansprechen, organisieren und für unsere Strukturen gewinnen, legen wir den Grundstein für langfristige Verankerung der Linksjugend [‘solid] in der arbeitenden Klasse.

Ziele der Kampagne

Mit der Kampagne verfolgen wir folgende kurzfristige Ziele. Wir wollen:

1. Auszubildende über ihre Rechte aufklären, sozialistisch politisieren und für
unsere Organisation gewinnen,

2. Auszubildende ermutigen für die kommenden JAV-Wahlen zu kandidieren

3. Der Landessprecher*innenrat stellt zur Planung ein Kampagnenteam zusammen, in dem die Antragstellerinnen eingebunden sind.

4. Das Kampagnenteam organisiert gemeinsam mit den Basisgruppen eine Präsenz an Berufsschulen durch Stände und Flyer. Den Höhepunkt hat die Kampagne mit einem Aktionstag Ende September.

5. Die Kampagne wird durch angemessene Social-Media-Arbeit begleitet, bei der insbesondere Betroffene zu Wort kommen. Das Kampagnenteam und der Landessprecher*innenrat verständigen sich über die Verantwortlichkeit.